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Ein Zisterzienserinnenkloster auf dem Fahrenberg – neue archäologische Indizien

Kaum bekannt ist, dass der Fahrenberg im Spätmittelalter bis zur Reformation einmal der Standort eines Zisterzienserinnenklosters gewesen sein soll. Archäologische Untersuchungen im Frühsommer 2015 haben die Existenz dieser in Schriftquellen sonst wenig fassbaren Institution unterstrichen. Nach der Fußbodenöffnung in der Wallfahrtskirche wurden nur die Befunde im Planum dokumentiert. Das Umfeld der Kirche wurde nicht archäologisch untersucht. Das Gelände enthält also das Potential für zahlreiche weitere Erkenntnisse zur Geschichte des Fahrenbergs. Doch bereits jetzt liegen aufschlussreiche Ergebnisse vor.

Unter dem Boden der heutigen, im Wesentlichen 1757–62 gebauten Wallfahrtskirche ließ sich ein gotischer Vorgängerbau nachweisen, der wohl um 1352 entstand. Er bestand aus einem gewölbten 5/8-Polygonalchor und einem flachgedeckten Langhaus. Ein Lettner trennte den Chorbereich vom Langhaus. In dieses wurde eine Westempore eingebaut, wie sie typischerweise von Zisterzienserinnen für das Chorgebet genutzt wurde – ohne Sichtkontakt zu anderen Personen, die in der Kirche anwesend waren.

Mathias Hensch, mittlerweile Referent für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie bei der baden-württembergischen Denkmalpflege, hat in der Oberpfalz zahlreiche Ausgrabungen betreut und in entsprechenden Publikationen dokumentiert. Zwei Aufsätze von ihm fassen die Resultate der Ausgrabungen auf dem Fahrenberg und ihre Interpretation zusammen.

 

Literatur:

Hensch, Mathias: War was vor der Wallfahrt? Zur Archäologie in und an Wallfahrtskirchen anhand von Beispielen aus Nordbayern, in: Denkmalpflege Informationen (2017) H. 167, 35–41, hier: 38ff.

Ders.: ... ein verbrannt Kloster – Archäologie in der Wallfahrtskirche St. Mariä Heimsuchung in Oberfahrenberg, Lkr. Neustadt an der Waldnaab, in: Beiträge zur Archäologie in der Oberpfalz und in Regensburg 12 (2018) 337–364 (mit Hinweisen zur älteren Literatur).

 

Das Zisterzienserinnenkloster ist noch nicht berücksichtigt in dem um Vollständigkeit bemühten

 

Klosterführer aller Zisterzienserklöster im deutschsprachigen Raum (Hg. Peter Pfister) Straßburg 1997.

 

Abbildung:

Hensch, ... ein verbrannt Kloster, S. 347 (mit freundlicher Erlaubnis des Autors).