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Ensdorfer Benediktiner als Autoren: Placidus Velhorn

Biogramm

Zur selben Mönchsgeneration wie Odilo Schreger und Anselm Desing gehörte P. Placidus Velhorn (1699–1776). Er stammte aus einem Wirtshaus in Amberg und war 1711–1716 Schüler bei den dortigen Jesuiten. Während des Philosophiestudiums an der Benediktineruniversität Salzburg entschied er sich, Mönch zu werden. So trat er in Ensdorf ein und wurde ab 1720 im Kommunnoviziat der Bayerischen Benediktinerkongregation unterwiesen, das sich zu der Zeit in Weihenstephan befand. 1722 legte er in Ensdorf die Profess ab. Hier besuchte er auch das bayerisch-benediktinische Kommunstudium. Er ist als Defendent in zwei philosophischen Disputationen belegt, die 1722 und 1723 in Ensdorf gehalten wurden. Theologie studierte er anschließend in Michelfeld.

„Helles und Unverfälschtes Liecht“

1757, also mit bald 60 Jahren, veröffentlichte Velhorn den ersten Band seines „Hellen und unverfälschten Lichts Göttlicher H. Schrift“, 1761 folgte Band 2. Das voluminöse Werk umfasst aus gutem Grund mehr als 2000 Folioseiten, denn darin soll den Lesenden „Durch wahre gründliche Erzehlung aller Biblischen Geschichten“ und „Durch beygesetzte auserlesene Moral-Concepten“ ein erbaulicher Zugang zur gesamten Heiligen Schrift ermöglicht werden, wie dem Titelblatt zu entnehmen ist. Mit Velhorns Anliegen war, wie er in der Vorrede zum ersten Band erläutert, das Problem verbunden, dass „denen Layen in Teutscher Sprach die heilige Bibel durch den Tridentinischen Kirchen-Rath zu lesen verbotten ist“. Daher musste er aus der Schrift „die Geschichten dergestalt heraus ziehen, und mit sittlichen Anmerckungen, auch erbäulichen, dann schröckvollen Exempeln bemercken [= mit Anmerkungen versehen] [...], damit selbe sowohl Geistlich- als Weltliche Persohnen, wessen Stands sie auch immer seyn sollen, zu ihrer Seelen Heyl ohne einige Gefahr gebrauchen, und lesen mögen.“

Den ausgewählten biblischen Episoden ist jeweils ein knappes „Abstract“ vorangestellt. Im Kapitel selbst wird die Geschichte nacherzählt, nicht selten in deutlicher Nähe zum Originaltext, wodurch Velhorn das Verbot des Konzils von Trient nahezu unterläuft. Danach folgen jeweils weitere Erläuterungen und Belehrungen, oft angekündigt durch das einleitende Wort „Sitten-Lehr“.

Auch auf 2000 Seiten ist es unmöglich, in dieser Weise die gesamte Bibel zu erschließen. Der Autor musste auswählen. Welche pragmatischen Gesichtspunkte ihn dabei leiteten, müsste in Detailanalysen untersucht werden (ebenso wie die Palette seiner Textquellen und die Auslegungstraditionen, denen er folgte). Deutlich liegt aber der Schwerpunkt auf den epischen Abschnitten der Bibel. So sind im ersten Band über das Alte Testament beispielsweise Lev und Dtn mit ihren zahlreichen zeit- und kulturbedingten Vorschriften nur kurz behandelt. Dasselbe gilt für die Propheten. Die „Kurtze Erzehlung. Von denen Psalmen Davids, und überigen Büchern des Salomons“ umfasst gerade einmal zwei Seiten (785–787) – überraschend wenig für einen monastischen Autor.

Velhorns Ansatz steht homiletischen Ansätzen erkennbar nahe. Bibel-Zitate, Paraphrasen und ergänzende Exempla als Ausgangspunkt von Erbauung und Moraldidaxe bilden ein Muster, das ebenso von den Predigern verwendet wurde. Im Unterschied zu den zahlreichen Predigtsammlungen aus dieser Epoche folgt Velhorn aber nicht dem Zyklus des Kirchenjahres oder einer spezifischen Thematik, sondern der Sequenz der biblischen Bücher. Seine Rhetorik zielt weniger stark auf Affekte, als dies auf der Kanzel der Fall wäre.

Das „Helle und Unverfälschte Liecht“ scheint sich verkauft zu haben, denn 1766 besorgte der Verlag Gastl (München und Stadtamhof) eine zweite Auflage.

Zu Ehren der hl. Walburga

Velhorn war, wie auch in seiner Rotel unterstrichen wird, ein besonderer Verehrer der hl. Walburga, weshalb er ihr, seiner „absonderlichen Fürsprecherin bey GOtt, grossen Patronin, und Helfferin“, die beiden Bände widmete. In der Dedicatio des ersten Bandes preist er das „heylsambste, Cristall-helle reiniste [Walburgis-] Oel, das unzähligen Kranken geholfen habe; „unter disen auch ich unwürdigster von disem Gnaden- und Heyl-Brunnen das Heyl, und meine verlohrne Gesundheit wunderbarlich erhalten habe“. Mit seinem Werk, aus dem die christlichen Seelen „einen geistlichen Nutzen zur Ehre GOttes, und Hülff des Nächsten schöpffen mögen“, gebe er „demnach zuruck, was durch dich empfangen“.

Beide Bände ziert ein unsigniertes Frontispiz bzw. Widmungskupfer, das als Hauptmotiv die Aufnahme der hl. Walburga in den Himmel zeigt, darunter ihr stilisiertes Grab in der Eichstätter Benediktinerinnenabtei St. Walburg, aus der das Walburgis-Öl tropft. Der Putto unten rechts hält ein Ölfläschchen empor. Die Widmungs-Inschrift, unterzeichnet mit „F. P. V.“ (also „Frater Placidus Velhorn“), preist die Heilige ebenfalls als „Patrona“ und „Auxiliatrix“.

 

Lit.:

Sedlmayr, Virgil [Praes.]: CHARACTER THOMISTICUS SEU DISTINCTIO VIRTUALIS INTRINSECA..., Regensburg 1722 (Defendent: u. a. Placidus Velhorn); Provinzialbibliothek Amberg: Philos. 491(2.

Ders. [Praes.]: PHILOSOPHEMATA THOMISTICO-MARIANA…, Amberg: Johann Georg Koch 1723 (Defendent: Placidus Velhorn); Provinzialbibliothek Amberg: Theol. gen. 804(78,3.

Velhorn, Placidus: Helles und Unverfälschtes Liecht Göttlicher H. Schrifft Alt: und Neuen Testaments..., 1. Tl. In sich haltend das alte Testament, Sulzbach: Joseph Kilian Gallwitz (Verleger) – Amberg: Johann Georg Koch (Drucker) 1757 u. München – Stadtamhof: Johann Urban Gastl 21766.

Ders.: Helles und Unverfälschtes Liecht Göttlicher H. Schrifft Alt: und Neuen Testaments..., 2. Tl. In sich haltend das neue Testament, Sulzbach: Johann Philipp Augustin Eckebrecht 1761 u. München – Stadtamhof: Johann Urban Gastl 21766.

Totenrotel f. Placidus Velhorn

Zitzelsberger, Hans: Chronik von Ensdorf, Ensdorf o. J. [1991], 133f.