· 

Marcelin Sturm OESA

In H. 2 der diesjährigen „Arnika“ (der Zeitschrift des „Oberpfälzer Waldvereins“, die in Layout und Inhalten dringendst auch den Geburtsjahrgängen nach 1950 entgegenkommen sollte) macht Josef Denz einmal wieder auf den aus Rötz stammenden Augustinereremiten Marcelin Sturm (1760–1812) aufmerksam.

1786 trat er in München in den Orden ein und verbrachte nach seiner Ordination etliche Jahre im Konvent von Seemannshausen. Im Jahr 1800 wechselte er nach Schönthal, wo er auch nach der Säkularisation blieb und als Kooperator in Hiltersried tätig war. Er starb schon im Alter von 52 Jahren.

Historische Aufmerksamkeit verdient er wegen eines posthum erschienenen Buches mit „Lieder[n] Zum Theil in baierischer Mundart“Der derbe Witz und die gutmüthige Satyre, die in Sturms Liedern herrschen, machten sie bald zu Lieblingsgesängen in vielen Gegenden Baierns, und in Privat-Gesellschaften müssen sie oft zur Erschütterung des Zwerchfelles dienen“, schrieb der Herausgeber in seiner Vorrede.

Das späte Erscheinen von Sturms Lyrik bedeutet nicht, dass sie das Ergebnis seines nachklösterlichen Lebensabschnitts war. Der Herausgeber weiß bereits über die Zeit von Sturms Jura-Studium in Ingolstadt zu berichten: „Aus Mangel an [finanzieller] Unterstützung mußte er Gebrauch von seinem Dichtertalent machen. Er travestirte P. Cochems Himmel und Hölle, setzte noch andere lustige Lieder in Knittelversen zusammen, sang sie seinen lustigen Kameraden vor, und suchte sich auf diese Art seinen täglichen Unterhalt zu verdienen. Dieß gelang ihm zwar zum Theil, er versäumte aber seine Collegien dabey so sehr, daß er nach 4 Jahren ... nicht im Stande war, sich der zum Absolutorium vorgeschriebenen Prüfung zu unterziehen.“ Der Umstand, dass er nicht als Spaßmacher habe arrivieren können, sei der Grund für Sturms Klostereintritt gewesen. Das war aber offenbar nicht nur eine Notlösung, denn im selben Biogramm heißt es weiter: „Er entsprach sowohl in seinen Amtsverrichtungen, als in seinem Betragen ganz dem Zutrauen, das seine Obern in ihn setzten ... Seine Lieder, aus denen Witz und scherzende Laune, hie und da wenigstens, unverkennbar hervorleuchten, sang er immer nur auf dringendes Bitten seiner besten Freunde, und höchst selten.“ Trotzdem wurden sie überliefert und schließlich gedruckt. So gehört Sturm zu den frühen Vertretern der baierischen Literatur.

 

Posthume Veröffentlichung:

Sturm, Marzelin: Lieder Zum Theil in baierischer Mundart. In Musik gesetzt nach den eigenen Melodien des Verfassers von J. Gierhl, o. O., o. J. [1819].

 

Literatur über Sturm:

Denz, Josef: Marcelin Sturm – ein vergessener Oberpfälzer Volkssänger, in: Die Oberpfalz 82 (1994) 152–158.

Ders.: Ui tausend Saprament. Marcelin Sturm und seine Gesänge, in: Die Arnika 54 (2021) H. 2, 64f.

Holland, Hyacinth: Art. „Sturm, Nicolaus“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 37 (1894) 45–48.

Knedlik, Manfred: Urwüchsige Sprachgewalt. Vor 250 Jahren wurde der Sänger, Dichter und Komponist Marcelin Sturm geboren, in: Literatur in Bayern 26 (2010) Nr. 101, 49–51.

 

Abb.:

Bayerische Staatsbibliothek München: 4 Mus.pr. 617-2, Titelseite.