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Georg Röckhl CRSA (1569–1605): ein Wiener Chorherr aus Tirschenreuth

Stift St. Dorothea in Wien – Kupferstich von Georg Matthäus Vischer 1672
Stift St. Dorothea in Wien – Kupferstich von Georg Matthäus Vischer 1672

Mitten im Zentrum der Stadt Wien stand von 1414 bis 1786 das Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea. Dann fiel es den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. zum Opfer. Wenigstens blieb das Archiv erhalten und wurde vom Stift Klosterneuburg übernommen. Aus dessen Beständen erstellt derzeit Walter Zechmeister ein Professbuch des ehemaligen Augustinerkonvents.

Im 2. Band, erschienen in diesem Jahr, ist unter anderem ein Biogramm des Chorherrn Georg Röckhl zu finden. Der Inhalt ist schnell zusammengefasst: Seine Eltern waren Georg Röckhl, Torhüter im Tirschenreuther Schloss, und dessen Frau Veronica. Ihr vermutlich erster Sohn (es sind fünf jüngere Geschwister belegt) wurde am 29. August 1569 auf den Namen Georg getauft. Ins Noviziat von St. Dorothea trat er 1592 ein, im Jahr darauf legte er die Profess ab. Im selben Jahr empfing er auch schon die Priesterweihe. Offenbar hatte er also in den Jahren davor Philosophie und Theologie studiert. 1605 starb er und war dabei mit etwa 36 Jahren bereits der Konventsenior.

Wie er nach Wien gelangte und welche Aufgaben er im Stift übernahm, konnte Zechmeister bei seinen Recherchen nicht ermitteln. Damit bleibt vor allem ein entscheidender Lebensschritt Röckhls im Dunkeln: Der Chorherr muss ein vormals protestantischer Konvertit gewesen sein. Bei seiner Geburt wurde die (Obere) Pfalz von Kurfürst Friedrich III. regiert, der sich für das calvinistische Bekenntnis entschieden hatte – mit der Konsequenz, dass dies auch für alle Untertanen verbindlich war. Dass P. Röckhls Vater weiter in Tirschenreuth lebte und dort Ende 1603 starb, bedeutet, dass die Familie von den oktroyierten Konfessionswechseln betroffen war: unter Kurfürst Ludwig VI. (reg. ab 1576) zum Luthertum, unter dessen Nachfolger Friedrich IV. (reg. ab 1583) erneut zum Calvinismus. Georg Röckhl sen. gehörte auch zu den Befragten, allerdings nicht zu den Beschuldigten nach der Ermordung des Stiftshauptmanns Valentin Winsheim im Jahr 1592 als Reaktion auf den neuerlichen Bekenntniswechsel.

Man wüsste gerne, ob P. Georg in Wien von diesen Vorgängen erfuhr, ob er noch Kontakt zu seinen Eltern hatte und wie er über ihre konfessionelle Situation dachte. Schließlich musste er nach damals geltender Auffassung davon ausgehen, dass sie als Nicht-Katholische nicht auf das ewige Seelenheil hoffen durften. Doch Quellen gibt es dazu wohl nicht.

 

Lit.:

Zechmeister, Walter: St. Dorothea in Wien 2. Die Augustiner Chorherren von 1534 bis 1712, Großebersdorf 2025, S. 121.

Außerdem:

Brunner Johann, Die Ermordung des kurfürstlichen Stiftshauptmanns Valentin Winsheim zu Tirschenreuth am 24. Februar 1592. Ein Kulturbild aus der nördlichen Oberpfalz zur Zeit der Religionswirren, dargestellt nach den darüber im Staatsarchiv Amberg vorliegenden Akten, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 80 (1930), S. 173–199.

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