Am 30. Oktober wurde im Bayerischen Nationalmuseum in München eine Ausstellung über „Das Schatzbuch von Sankt Emmeram“ eröffnet, die noch bis zum 1. März besichtigt werden kann. Eindrücke davon vermittelt bei häuslicher Betrachtung auch der sehr schön illustrierte Katalogband.
Das wohl zwischen 1748 und 1750 entstandene, unvollendete Schatzbuch steht in der Tradition der seit dem Spätmittelalter gebräuchlichen Heiltumsbücher und der frühneuzeitlichen Kleinodienbücher. In Auftrag gegeben wurde es wohl vom St. Emmeramer Abt Johann Baptist Kraus (reg. 1742–62). Es dokumentiert vor allem den Schatz an liturgischen Geräten, Paramenten und Reliquiaren, mit dem Abt Anselm Godin (reg. 1725–42) nach der Bestätigung der Reichsfürstenwürde seine Stiftskirche schmücken ließ.
Seit 1887 ist das Schatzbuch im Besitz des Nationalmuseum nachweisbar. Aber erst vor wenigen Jahren brachte eine Revision durch den damaligen Regensburger Diözesankonservator Hermann Reidel zum Vorschein, um welche Kostbarkeit es sich handelt.
Als Funktion nimmt Frank Matthias Kammel an, „dass Johann Baptist Kraus den [...] Kirchenschatz in Gestalt eines Albums ‚porträtiert‘ sehen wollte, zur Benutzung als Medium der Inventur, zur individuellen Ergötzung und Kontemplation ebenso wie zur stolzen Präsentation vor erlesenen Betrachtern.“ (S. 32)
Bedeutend ist der Kodex nicht nur durch seine prachtvolle Gestaltung, sondern auch als historisches Dokument: Viele der darin dargestellten Gold- und Silberarbeiten wurden im Zuge der Klosteraufhebung eingeschmolzen.
Lit.:
Kammel, Frank Matthias (Hg.): Das Schatzbuch von St. Emmeram. Barocke Pracht aus Regensburg, München 2025.
Außerdem:
Mayerhofer, Matthias: Altarpracht in Regensburg. Die Paramente und das wiederentdeckte Schatzbuch von St. Emmeram. 17. bis 20. Jahrhundert, München 2022.
