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Zisterziensische Kulturlandschaften – ein kritischer Blick durch die „Dieter-Wieland-Brille“

Seit einigen Jahren macht sich die Organisation Cisterscapes um die Erinnerung und Vermarktung zisterziensischer Kulturlandschaften quer durch Mitteleuropa verdient und hat es in kürzester Zeit geschafft, für sie das Europäische Kulturerbe-Siegel zu erwirken.

Geprägt waren diese Kulturlandschaften nicht nur durch Teichgebiete und Wälder, sondern der klösterlichen Selbstversorgung wegen besonders durch Agrarflächen. Hier allerdings gibt es keinen Grund zur Freude als vielmehr zum Klagen mit Blick auf die Vernichtung der gewachsenen Landschaftsstrukturen. Diese ist keine Säkularisationsfolge, sondern ein Resultat der Agrar- und Strukturpolitik in Zeiten des Wirtschaftswunders: der Flurbereinigung. Die Metapher der „Rein-heit“ sollte rückblickend allerdings besser durch die der „Sterilität“ ersetzt werden: Ackerflächen und Wiesen wurden zusammengelegt, um jeweils mehrere Hektar große Monokulturen von Getreide oder Kartoffeln zu ermöglichen; beseitigt wurden dabei nicht nur die Feldraine und Feldgehölze, sondern auch die daran gebundene zoologische Diversität. Vorher fühlte sich in den Hagebutten-Sträuchern der Neuntöter wohl; bei Spaziergängen erschrak man immer einmal kurz, wenn überraschend Rebhühner aufflogen; heute wird man gerade noch vom Gesang der Feldlerche begleitet. Zerstört wurde aber auch die in der Landschaft bis dahin noch sichtbare Parzellierung, die oft ein Abbild historisch gewachsener Strukturen war. Man erkennt die großflächige „Bereinigung“ sofort, wenn man bei Google Earth die Satellitenansicht von Ebrach, Klosterlangheim oder Waldsassen aufruft.

Ein Mahner, der bereits damals den Finger in die Wunde legte, war der Fernsehjournalist Dieter Wieland (geb. 1937). Er setzte sich wie kein anderer für den Erhalt gewachsener und naturnaher Kulturlandschaften, für den Denkmalschutz und für eine menschliche Lebensumgebung in bayerischen Dörfern und Städten ein.

Ein Teil seiner Beiträge ist in der ARD-Mediathek zu finden. Weitere Clips kann man sich bei Youtube ansehen. Älteren ist vielleicht noch der Titel der Sendung „Grün kaputt“ von 1983 über den Flächenverbrauch geläufig. Den Freundinnen und Freunden zisterziensischer Kulturlandschaften sei besonders der Beitrag „Topographie – Heckenlandschaften“ von 1993 ans Herz gelegt.

Denn Agrarsteppen mit strukturlosen Getreidefeldern lassen sich nicht als gewachsene zisterziensische Kulturlandschaft vermarkten. Eine ausgeräumte Flur ist kein Abbild der Nachhaltigkeit, die den Mönchen einst so wichtig war, wie der jüngst erschienene Band über zisterziensische Kulinarik betont. Hier hätte Cisterscapes das Potential zu einem kritischen Blick und zu entsprechender Publizistik. Man könnte der Öffentlichkeit vermitteln, was hier verlorengegangen ist und bis auf Weiteres nur in der Erinnerungskultur weiterleben kann. Womöglich wäre es von hier aus nur noch ein kleiner Schritt zu einer kultur-ökologischen Lobby-Politik. 

Übrigens gibt es von Dieter Wieland auch einen Film, der die Waldsassener Klostergeschichte streift: Im Jahr 1979 wurde die Reportage „Die Fraisch. Egerland in Bayern“ ausgestrahlt. Sie ist ebenfalls bei Youtube zu finden.

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