Die Erinnerung an den Bauernkrieg vor 500 Jahren gab 2025 Anlass zu allerlei Ausstellungen und Publikationen. Unter anderem veranstaltete der „AK Forstgeschichte“ im Juli 2025 eine Tagung zum Thema „Der Bauernkrieg 1525 aus forstlicher Sicht“ in Memmingen. Der online verfügbare Tagungsband enthält auch einen Artikel von Christian Malzer über „Forstgeschichtliche Facetten des Bauernkrieges im Waldsassener Stiftland“.
Dem Beitrag sind interessante Differenzierungen zu entnehmen. Die wichtigste dürfte lauten: Der Einschnitt in der Waldsassener Klostergeschichte durch die „murmelung“ der Stiftsuntertanen war weitaus weniger einschneidend, als dies die bisherige Forschungsliteratur vermuten lässt, auch was die Waldnutzung durch die Untertanen betrifft.
Dass es in Waldsassen überhaupt zu Unruhen kam, ist aus regionaler Sicht eher untypisch – die Obere Pfalz blieb ansonsten weitgehend verschont. Pfalzgraf Friedrich II. nutzte (oder initiierte womöglich sogar) den Aufruhr für seine Zwecke. Da der Waldsassener Abt geflohen und der Prior gefangengesetzt war, konnte Friedrich die Herrschaft über das Stiftland, als dessen Vogt er bereits fungierte, an sich ziehen und die Untertanen von ihren Pflichten gegenüber dem Abt von Waldsassen entbinden. Damit war nicht zuletzt eine veränderte Waldnutzung verbunden: Für den Brennholzbezug mussten die Hintersassen keinen Zins mehr entrichten.
Malzer zeigt allerdings auf, dass es sich hierbei um keine radikale Neuerung handelte: Für die Bewohner der Stadt Tirschenreuth und der verschiedenen stiftischen Märkte (Mitterteich, Waldershof, Falkenberg, Konnersreuth) hatte die Abtei selbst diese Regelungen Jahrzehnte zuvor eingeführt. Der Pfalzgraf erweiterte sie lediglich auf die Gesamtbevölkerung.
Der Neuregulierung war aber zunächst keine Nachhaltigkeit beschieden, und zwar schon deshalb, weil die Abtei ihre Herrschaft durch einen Spruch des Reichskammergerichts bereits 1526 zurückerlangte. Malzer kann zeigen, dass in den darauffolgenden Jahren wieder die vorherigen Unterschiede zwischen Markt- und Dorfbewohnern fassbar sind. Erst mit der Klosteraufhebung im Zuge der Reformation ergab sich die Möglichkeit, die kurfürstliche Forstordnung für die Obere Pfalz auch im Stiftland einzuführen.
Lit.:
Malzer, Christian: Forstgeschichtliche Facetten des Bauernkrieges im Waldsassener Stiftland, in: Forum Forstgeschichte. Der Bauernkrieg von 1525 aus forstlicher Sicht (Hgg. Joachim Hamberger/Richard Mehler) (Forstliche Forschungsberichte München 226), Freising 2026, 244–264.
