· 

Ensdorfer Benediktiner als Autoren: Emmeram Kellner

Ensdorf gehörte nach seiner Wiederbegründung im Jahr 1669 keineswegs zu den großen bayerischen Klöstern. Umso mehr fällt die literarische Produktivität auf, die dort im 18. Jahrhundert herrschte. Bekannt sind die Mönche Odilo Schreger (1697–1774), der in seinen volkstümlichen, vielfach aufgelegten Schriften Belehrung und Unterhaltung zu verbinden wusste, und Anselm Desing (1699–1772) wegen seiner bildungsgeschichtlich bedeutsamen Publikationen. In ihrem Schatten stehen aber Mitbrüder, die ebenfalls als Autoren wirkten, jedoch weniger Beachtung fanden. Anlässlich des 900. Klosterjubiläums im Jahr 2021 sollen hier in nächster Zeit einige von ihnen vorgestellt werden – diesmal P. Emmeram Kellner.

Biogramm

Kellner stammte aus Winklarn, wo er 1743 geboren wurde. 1764 war das Jahr seiner Profess, 1767 empfing er das Weihesakrament. Im Kloster wurde er als Cellerar und Prior eingesetzt, als Seelsorger wirkte er in der Klosterpfarrei, in Vilshofen und in Rieden. Er starb 1801.

Kellners Leichenpredigt in Reichenbach 1773

Als 1773 in der Benediktinerabtei Reichenbach Abt Gregor Haimerl starb, wurde wie gewöhnlich ein Prediger aus einem Nachbarkloster eingeladen, um die Trauerrede zu halten. Üblich waren damals eigene Predigtgottesdienste, in denen in musikalischer Einrahmung die etwa einstündigen Kanzelreden vorgetragen wurden.

Emmeram Kellner, der als Prediger aus Ensdorf eingeladen wurde, umreißt in der Einleitung seiner Ansprache selbst die Aufgabe, die ihm nun als Leichenprediger am sog. Dreißigsten, dem letzten Tag der offiziellen Trauerzeit, zukommt: Er solle „durch eine Lob- und Trauerrede den Beschluß [= Schluss] machen, und zugleich das Andenken an seine [des Verstorbenen] Gottseligkeit in die ohnehin schon erweichten Herzen unerlöschlich eindrücken, ja, so viel an mir liegt, verewigen“. Er tut dies, indem er wichtige Lebensabschnitte Haimerls abschreitet und jeweils deren Beispielhaftigkeit zur Nachahmung empfiehlt. Die zweigliedrige Predigt handelt im ersten Teil von „Gregorii kindliche[r] Furcht Gottes“, im zweiten von dem daraus resultierenden Lohn, dem „väterliche[n] Segen der Hand Gottes über Gregorium“. Gelegentlich findet man auch zeitkritische – d. h. säkularisierungskritische – Äußerungen, etwa gegen den „Schwarm überwitziger Irrgeister“, der immer weiter anwachse, während das Christentum sich mehr und mehr verliere.

Kellner hat hier einen sehr konventionellen Text formuliert, der im Vergleich mit anderen klösterlichen Leichenpredigten weder durch einen Mangel noch durch ein besonders Ausmaß an rhetorischer Qualität auffällt. Wichtig war auch nicht die Kreativität des Autors, sondern die Erfüllung einer Konvention, mittels derer die bestehenden Verhältnisse in der liminalen Situation des Regierungswechsels gefestigt werden sollten.

Buchschmuck zu traurigen Anlässen

Die Druckereien waren auf die Herstellung solcher Predigtbroschüren eingestellt, auch der bischöfliche Hofbuchdrucker Englerth in Regensburg. Dies ist daran erkennbar, dass es hier einen eigenen Buchschmuck für Funeralschriften gab. Dem Text der Reichenbacher Leichenpredigt ist ein Kupferstich vorangestellt, der als Vanitas-Szenario eine Urne in einer Ruinenlandschaft zeigt. Das Initial des Textes ist von einem Totenschädel, einer Sanduhr, einer erlöschenden Kerze und einer Totengräber-Schaufel umrahmt. In der Vignette am Textende ist ein mit Wappen geschmückter Katafalk zu sehen. So wird die Gestimmtheit des Predigtwortlauts durch grafische Elemente unterstrichen und verstärkt.

 

Lit.:

Kellner, Emmeram: Trauerrede auf das höchstbetrübte Ableiben des Hochwürdigen ... Herrn Gregorius [Haimerl] des löbl. berühmten Benediktinerstiftes Reichenbach würdigsten Abtes ..., Regensburg 1773 (Bayerische Staatsbibliothek München: 2 Or.fun. 180)

Schrott, Georg: Gedruckte Kasualpredigten aus Ensdorf, in: Literarische Klosterkultur in der Oberpfalz. Festschrift zum 300. Geburtstag von P. Odilo Schreger OSB (Hgg. Manfred Knedlik, Alfred Wolfsteiner) Kallmünz 1997, 173–188.

Ders.: Leichenpredigten für bayerische Prälaten der Barock- und Aufklärungszeit (Materialien zur bayerischen Landesgeschichte 22) München 2012.

Zitzelsberger, Hans: Chronik von Ensdorf, Ensdorf o. J. [1991], 118f.

Administrator:

Dr. Georg Schrott

Im Brahm 39

45549 Sprockhövel

E-Mail-Kontakt