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Klosterbrauerei Waldsassen – Bierreklame vor hundert Jahren

Werbeschild „Klosterbrau Waldsassen“, um 1920 (Bild: Tom Weiskircher).
Werbeschild „Klosterbrau Waldsassen“, um 1920 (Bild: Tom Weiskircher).

Wer nicht zum Kreis der Emailschilder-Sammler gehört, wird sich vielleicht wundern: Bei einem siebentägigen Bietergefecht auf ebay trieben 13 Konkurrenten den Preis für ein altes, grell gelb-rotes Werbeschild der Klosterbrauerei Waldsassen von 1 auf erstaunliche 1198 €. Dafür bekommt man mit etwas Glück auch ein unsigniertes holländisches Landschaftsgemälde des 17. Jahrhunderts. Hergestellt wurde die 50 x 40 cm große Blechtafel um 1920 im Frankfurter Emaillierwerk.

Interessant ist das Schild auch wegen des Vermarktungskonzepts, das sich darauf abbildet. Als Blickfang dient ein Mönch mit Bierkrug und -fass. Ein vertrauter Anblick, wie er heute immer noch vom Marketingdesign beispielsweise der Brauereien Mönchshof, Franziskaner oder Benediktiner Weissbräu geläufig ist. Bemüht wird hier ein stereotypes Bildmotiv, das aus der Kunst des 19. Jahrhunderts stammt (wie das unten gezeigte Beispiel von Eduard von Grützner) und sich bis heute als tragfähig erweist.

Durch den Habit ist der Mönch auf dem Schild als Zisterzienser identifizierbar. Allerdings wurde das Waldsassener Klosterbier um 1920 von einem weltlichen Braumeister im Auftrag des Nonnenkonvents hergestellt. Ein Mönch galt den Entwerfenden aber offenbar als werbewirksamer.

Ein Grund für seine Verwendung war sicher auch die Akzentuierung einer altehrwürdigen Waldsassener Brautradition. Die Jahreszahl 1732 verweist auf die Erbauung eines neuen Brauhauses unter Abt Eugen Schmid. Allerdings ist schon in einer Klosteransicht von 1670, dem „Stilppschen Plan“, ein „Breÿ Hauss eingetragen und die Brautradition reicht sicher bis ins Mittelalter zurück, unterbrochen allerdings durch zwei Säkularisationen.

Eduard von Grützner: „In einer baierischen Klosterbräustube“, in: Die Gartenlaube (1870).
Eduard von Grützner: „In einer baierischen Klosterbräustube“, in: Die Gartenlaube (1870).

Die Traditionsbrüche werden dadurch überspielt, dass der „Klosterbrau“ als „ältester des baÿ. Stiftlandes“ bezeichnet wird, wozu das altertümliche ÿ mit Trema noch einen typographischen Retro-Beitrag leistet. Das „bayerische Stiftland“ ist an sich eine sinnfreie Formulierung, schließlich gab es in Bayern bis zur Aufhebung der Stifte etliche Dutzend „Stiftländer“. Bayern sollte aber offensichtlich genannt werden, da mit diesem Land eine besondere Brautradition assoziiert wurde.

 

Siehe auch:

 

Fürmetz, Gerhard: Bier aus Klöstern. Zur Rolle der Klosterbrauereien in Bayern, in: Bier in Bayern (Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 65) Augsburg 2016, 58–65.

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