Aus welchem Anlass ließ Andreas Bernreuther aus Waldsassen wohl diese Glückwunschkarte drucken? Ist es eine Neujahrskarte? Empfänger des vorliegenden gelaufenen Exemplars war der „Wohlgeborene“ Herr Heinrich Hagenah, Maschinenmeister, anscheinend in der Waldsassener Klinkerfabrik. Weitere Informationen enthält die Karte nicht. Auch Lithograph und Verlag sind nicht vermerkt. Der Poststempel ist undeutlich, scheint aber das Jahr 1910 anzugeben. Ganz rechts ist vor der Klosteranlage noch nicht das Gartenschulhaus der Zisterzienserinnen zu sehen, sondern der bis 1909 bestehende Vorgängerbau.
Das Bild zeigt den Ort aus einer häufig gewählten Postkarten-Perspektive. Untypisch ist dagegen die Tages- und Jahreszeit. Die verschneite Dachlandschaft und der Nachthimmel ermöglichten dem Künstler einen starken Hell-Dunkel-Kontrast. Durch die Schlote links und die Stiftskirche rechts kontrastiert außerdem das industrielle mit dem sakralen Waldsassen. Die Fenster sind unbeleuchtet, sodass wir eine Szenerie mitten in der Nacht vor uns haben – visuell verdeutlichte „stille Nacht“. Sind die Kirchtürme und Sterne als Andeutungen eines religiösen Sinns des Kartengrußes zu lesen?
Was immer der eigentliche Sitz im Leben für diese Ansichtskarte war – auf den ersten flüchtigen Blick könnte sie als Weihnachtskarte durchgehen. So hat die Rarität hier ihren Platz erhalten.
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