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Sr. Pia Pfatisch OCist und P. Viktrizius Weiß OFMCap – Zwei erbauliche Biographien der Waldsassener Zisterzienserin Leonia Lorenz OCist

„Sein Leben ist zwar in dichte Schleier der Demut gehüllt; aber des Heiligen Geistes Walten fügte es, daß trotzdem seine Umwelt die hellen Strahlen der göttlichen Liebe sah, die aus seiner großen Seele leuchteten. Für die Nachwelt sollen sie aber Feuerfunken sein, welche der Erdenpilger Weg erhellen.“ (S. 219) Diese Worte sind in der Einleitung einer erbaulichen Biographie des Kapuziners Viktrizius Weiß (1842–1924) zu lesen, erschienen 1938 als einer von 21 Beiträgen in dem Band „Die in deinem Hause wohnen. Menschen im Ordensstand“. P. Viktrizius starb im Ruf der Heiligkeit, Papst Johanns Paul II. erkannte ihm 1979 den Titel „Ehrwürdiger Diener Gottes“ zu. Der Seligsprechungsprozess ist offenbar „weit vorangeschritten“.

Autorin der Lebensbeschreibung war die Waldsassener Zisterzienserin M. Leonia Lorenz (1872–1945). Sie trug wesentlich mehr als die meisten ihrer Mitschwestern zur Außenwirkung der Zisterzienserinnenabtei bei, denn sie war nicht nur Lehrerin in den klösterlichen Schulen, sondern auch eine produktive und ambitionierte Autorin, deren verstreutes Schrifttum einmal bibliographiert werden sollte. Die nachhaltigste Wirkung entfaltete ihre 1927 erschienene Deutung der Atlanten im Waldsassener Bibliotheksaal – sie hielt sie für die Akteure , die an der Buchherstellung beteiligt waren. Ihre heute obsolete Interpretation prägte für über 60 Jahre die Wahrnehmung der Bibliothek.

Die Funktion des Sammelbandes „Die in deinem Hause wohnen“ kann man in der Stärkung der katholischen Frömmigkeit während der Bedrängnis durch das Hitler-Regime sehen. Der Herausgeber, P. Eugen Lense OCist aus Marienstatt, äußert sich im Vorwort antimodernistisch und dabei indirekt anti-nationalsozialistisch: „Unsere Zeit schreit nach wahrhaft gotterfüllten Menschen. Der moderne Mensch, zerquält von der Existenznot unserer Tage, ist in Gefahr, seine Seele zu verlieren. Gerade darum ist das Ordenswesen heute in einem neuen Sinne modern als Zeichen und Mahnung zum Ewigen, das allen Zeitenwandel übersteht“ (S. 8). Die erbaulichen Biographien sollen dies der Leserschaft vor Augen führen. Eine Co-Autorin im selben Band war übrigens Edith Stein (1891–1942), die unter ihrem karmelitischen Ordensnamen Theresia Benedicta a Cruce eine Lebensschilderung der Mutter Franziska von den unendlichen Verdiensten Jesu (1804–66) beitrug (S. 147–163), der Wiederbegründerin des Kölner Karmels, in den 1933 auch Stein eintrat.

Neben der Biographie von P. Viktrizius Weiß ist noch eine weitere Vita zu finden, welche Leonia Lorenz verfasste: die ihrer früheren Mitschwester M. Pia Pfatisch (1843–1912). Diese ist in der Waldsassener Klostergeschichte bisher nicht weiter aufgefallen. Eventuell schätzte Sr. Leonia sie als eine ihrer ehemaligen Lehrerinnen. Ihr Biogramm ist auch wegen der Darstellung des Waldsassener Institutslebens interessant („Am besten werden wir die Präfektin [...] kennenlernen, wenn wir im Geiste unter ihrer Leitung einen Institutstag verleben“; S. 180). Die dortige Situation ist ausführlich und recht verklärend dargestellt, und man wird Sr. Leonia nicht Unrecht tun, wenn man den Text als Werbung für das Waldsassener Institut liest, verkleidet in einer idealisierenden Lebensschilderung.

 

Lit.:

Lense, Eugen (Hg.): Die in deinem Hause wohnen. Menschen im Ordensstand, Einsiedeln – Köln o. J. [1938].

Darin:

Lorenz, Leonia: Eine ideale Jugendbildnerin. Mutter Maria Pia Pfatisch, S. O. Cist. 1843–1912, S. 179–187.

Dies.: In den Fußstapfen des Armen von Assisi. P. Viktrizius Weiß, O. M. C. 1842–1924, S. 219–225.

 Über Sr. M. Leonia Lorenz:

„Ein Thal des Seegens“. Lesebuch zur Literatur des Klosters Waldsassen (Hgg. Manfred Knedlik/Georg Schrott) , Kallmünz 1998, 168f. 

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