In der Gruft unter der Stiftsbasilika Waldsassen findet man im ersten Gewölbejoch gleich rechts nach dem Abgang die hier gezeigte Grabplatte. Der Text lautet in Übersetzung: „Der hochwürdige Pater Gerhard Kalbheim, Langheimer Mönch, starb fromm im Herrn am 18. Juli im Jahr 1730 in seinem 51. Lebensjahr. Er ruhe in Frieden.“
Wie kommt es, dass ein fränkischer Zisterzienser in Waldsassen beigesetzt ist? Auskunft hierüber bietet ein „Vollständiger Auszug aus den vorzüglichsten Calendarien des ehemaligen Fürstenthums Bamberg“ aus dem Jahr 1844 (S. 147). Dort ist zu lesen: „Langh[eimium]. Gerardi Kalbheim, mon[achi] de Wirceburg. Obiit et sepultus est 1730 in m[onaster]io Waldsassensi post usum thermarum carolinarum.“ Kalbheim starb also auf seiner Rückkehr von einer Kur in Karlsbad (den „thermae carolinae“) bei einem Zwischenstopp im Stiftland.
Christian Malzer hat an dieser Stelle schon einmal auf den Anteil der Oberpfälzer Ordensgeistlichen, besonders der Speinsharter, an der böhmischen Badekultur aufmerksam gemacht. Kalbheims Grabplatte ist ein weiterer Beleg für die Frequentierung des Karlsbads durch Mönche in der Frühen Neuzeit.
Die rund 160 km von seinem Heimatkloster in den Kurort wird Kalbheim in der für Ordensleute üblichen Weise zurückgelegt haben: durch Tagesetappen von Kloster zu Kloster (durch die Obere Pfalz wohl auf der Route Michelfeld – Speinshart – Waldsassen), wobei er auf die in den Ordensregeln vorgeschriebene Gastfreundschaft vertrauen konnte. Leider sollte Waldsassen seine letzte Station werden.
Lit.:
Schweitzer, Caspar Anton: „Vollständiger Auszug aus den vorzüglichsten Calendarien des ehemaligen Fürstenthums Bamberg“, Bamberg 1844.
