In der jüngsten Ausgabe der Cistercienser Chronik ist ein Beitrag von Sr. M. Adelheid Schneider OCist über M. Cäcilia Schmid (1824–1895) enthalten, die erste Waldsassener Priorin nach den Wiederbegründungsvorgängen in den Jahren 1863–65. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt auf Schmids Zeit im Zisterzienserinnenkloster Seligenthal, wo sie 1842 eingekleidet wurde. Geboren war sie im Markt Rieden südlich von Amberg. Von 1855 bis 1865 stand sie (mit einer gesundheitsbedingten Unterbrechung) ihrem Kloster vor und so war es ihre Aufgabe, die Wiederbegründung Waldsassens in die Wege zu leiten, wohin sie dann 1865 als Vorsteherin wechselte.
Schneiders Text ist nicht ganz frei von panegyrischen Zügen, problematisiert aber umgekehrt auch mit Recht die Frage, ob Cäcilia Schmid von der bisherigen Waldsassener Geschichtsschreibung nicht zu sehr in den Schatten von Michael Lorenz (1828–1901) gestellt wurde, dem sicher mehr als rührigen Beichtvater der Gemeinschaft, der den Nonnen nicht nur als Seelsorger diente, sondern auch die Rechtsgeschäfte für sie abwickelte.
Mit Recht resümiert die Autorin jedenfalls: „Im kirchlichen Bereich wurde Maria Cäcilia Schmid durch die Gründung des Cistercienserinnenklosters Waldsassen zu einer geistlichen Pionierin klösterlicher Frauenbewegung.“ (S. 62)
Versteckte Würdigung in Waldsassen
Der Rat der Stadt Waldsassen würdigte diese Pionierin im Jahr 2022 mit einem eigenen Straßennamen. Eine Hinweistafel am nunmehrigen Cäcilienplatz hinter den ehemaligen klösterlichen Wirtschaftsgebäuden liefert ein entsprechendes Biogramm. Ein Straßenschild fehlt allerdings bis heute und man wird derzeit auch nicht fündig, wenn man bei Google Earth oder Google Maps „Waldsassen Cäcilienplatz“ eingibt.
Beinahe eine benediktinische Neugründung?
Offenkundig fehlerhaft, aber aus Waldsassener Perspektive interessant ist folgende Erwähnung in Schneiders Beitrag: „Die Benediktiner von Metten wollten Waldsassen kaufen und hatten sich deshalb an König Ludwig II. um entsprechende Intervention gewandt. Am 18.07.1864 beschied der König, er und seine Geschwister seien 1800 in Waldsassen evakuiert gewesen, als die Franzosen München besetzt hielten. Er stehe auf der Seite des Cistercienserordens“ (S. 71). Ludwig II. wurde freilich erst 1845 geboren und amtierte ab dem 10. März 1864. Zu diesem Zeitpunkt lebte sein Großvater Ludwig I. (1786–1868) noch. Er war es, der sich im Jahr 1800 im Waldsassener Exil aufhielt. Der schützenden Hand des älteren Ludwig ist es offensichtlich auch zu verdanken, dass der Kattunfabrikant Rother die Ausstattung des Bibliotheksaals nicht entfernen durfte, nachdem er 1828 die Waldsassener Klosteranlage als Produktionsstätte übernommen hatte.
Welche Rolle die beiden Monarchen bei der Entscheidung zwischen Metten und Seligenthal im Zuge der Waldsassener Restitution nun jeweils tatsächlich spielten, bedarf also noch der Klärung. Aus lokalgeschichtlicher Sicht ist eine solche jedenfalls wünschenswert.
Lit.:
Schneider, M. Adelheid: Lebensbild der cisterciensischen Priorin Maria Cäcilia Schmid (1824–1895). Eine herausragende Führungspersönlichkeit der Abtei Seligenthal in Landshut, in: Cistercienser Chronik 133 (2026) H. 1, 60–73.
Außerdem:
Malzer, Christian/Schrott, Georg: Bibliotheksgeschichte des Klosters Waldsassen, in: Schrott, Georg (Hg.): Die Stiftsbibliothek in Waldsassen. Untersuchungen zu Geschichte, Bestand und Rezeption (Vita regularis. Abhandlungen 86), Münster 2024, 3–49.
Pfister, Peter: Der Konvent der Zisterzienserinnenabtei Waldsassen 1864–1960 , in: ders. (Hg.): Die Zisterzienserinnen in Waldsassen. „Die auf den Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft“, Regensburg 2020, 293–321.
Treml, Robert: Beichtvater Michael Lorenz – ein Lebensbild zu seinem 100. Todestag, in: Pearl Harbour, Pech und Löwenkopf. Beiträge zur Geschichte unserer Heimat. Zwischen Fichtelgebirge und Böhmerwald (Landkreis-Schriftenreihe Bd. 13) Pressath 2001, 187–204.
Weber, Camilla: Die Geschichte des Zisterzienserinnenklosters Waldsassen seit der Gründung im Jahr 1864, in: Pfister, Peter (Hg.): Die Zisterzienserinnen in Waldsassen. „Die auf den Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft“, Regensburg 2020, 129–149.
Abb.:
Ferdinand Sperber, Waldsassen


