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Ensdorf als Literaturort: Rationelle Rotelproduktion in der Bayerischen Benediktinerkongregation

Fortsetzung der Reihe anlässlich des Ensdorfer Klosterjubiläums

In den meisten Abteien der barocken und nachbarocken Zeit war es der Brauch, nach dem Tod eines Konventualen eine Traueranzeige zu verschicken. Die Adressaten waren Klöster, mit denen eine Gebetsverbrüderung bestand. Sie hatten nach dem Eintreffen der Nachricht vertraglich vereinbarte Gebetsleistungen für das Seelenheil des Verstorbenen zu erbringen.

Stilistisch sind solche Roteln von der Homiletik und Rhetorik ihrer Zeit geprägt. Neben der Klage um den Verstorbenen und dessen lobender Lebensdarstellung gehörte die Mahnung „Memento mori“ an die Hinterbliebenen zum rhetorischen Standard. Die Autoren konnten den Lesern damit zugleich den Grad ihrer Gelehrsamkeit demonstrieren, die dann auch repräsentativ für den Bildungsgrad ihres Konvents stand.

Es gibt aber viele Fälle, in denen es sich die Verfasser einfach machten. In Speinshart waren beispielsweise jahrzehntelang Rotelformulare mit demselben vorgedruckten Begleittext in Gebrauch, in die nur noch die Biogramme der Verstorbenen einzusetzen waren. Einen ähnlich bequemen Weg beschritt man in Ensdorf in der Rotel für den 1748 verstorbenen P. Maurus Velhorn. Man griff schlicht auf einen Text zurück, der bereits seit 1736 kursierte, wie eine Traueranzeige aus Andechs zeigt. Man findet denselben Wortlaut beispielsweise auch in Roteln aus Benediktbeuern, Prüfening, Rott am Inn oder Tegernsee. Einleitung und Schluss wurden wortgetreu übernommen und lediglich das Biogramm des Verstorbenen dazwischen ausgetauscht.

Mit diesem rationellen Verfahren war es möglich, Entwürfe von Roteltexten nach einem Todesfall schnell an die Druckerei zu liefern und die fertigen Blätter bald zu verschicken. Gleichzeitig waren die gleichförmigen Texte Ausdruck von Homogenität und Gemeinschaft innerhalb der Bayerischen Benediktinerkongregation.

 

Quellen:

Rotel für P. Maurus Velhorn, Ensdorf; Archiv des Schottenstiftes Wien: Rotelband C–G.

Rotel für P. Franz Asam, Andechs 1736; Provinzialbibliothek Amberg: 2 Ms. 39(2, fol. 147.

 

Lit. zu Velhorns Rotel:

Hirtner, Gerald: Die frühneuzeitlichen Totenroteln der Oberpfälzer Stifte. Überlieferung, Strukturen, Aussagen, in: Mors. Tod und Totengedenken in den Oberpfälzer Klöstern. Symposion vom 20. bis 21. Juni 2018 in der Provinzialbibliothek Amberg (Hgg. Georg Schrott/Christian Malzer) Amberg – Kallmünz 2019, 137–177, hier: 151f.

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