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Musik in Bayern – auch in den Regensburger Klöstern

Erste Seite des St. Emmeramer Mensuralcodex (Clm 14274).
Erste Seite des St. Emmeramer Mensuralcodex (Clm 14274).

Die diesjährige Landesausstellung des „Hauses der Bayerischen Geschichte“ hat die „Musik in Bayern“ zum Thema. Seit dem 25. April und bis zum 8. November kann man im Freyunger TonYversum Exponate verschiedenster Art nicht nur sehen und vor allem hören, sondern regelrecht immergieren in ein „Spektakel“ („Audikel“ ist ja als Vokabel leider nicht gebräuchlich).

Dass auch Klöster des Nordgaus oder der Oberen Pfalz berücksichtigt würden, war kaum zu erwarten – die Quellenlage dieser Häuser gibt nur Weniges und Inkohärentes zur Musikgeschichte her. Das Selbstverständliche – das tägliche Chorgebet, die Einführung der Orgel im Spätmittelalter, die Figuralmusik in der Barock- und Klassik-Ära und das dadurch bedingte Institut der Singknaben – wurde im bayerischen Nordosten nicht anders gehandhabt als anderswo. Heutige klösterliche Musikkultur beschränkt sich weitgehend auf die Liturgie.

Das wird auch im Katalogbuch deutlich, in dem nur Regensburger Klöster berücksichtigt sind. Zu den Ausstellungsstücken gehört ein St. Emmeramer Antiphonar aus dem 16. Jahrhundert (SB Regensburg: 2° Liturg. 1) (s. S. 73). In den Begleittexten (S. 18) ist der Emmeramer Mensuralcodex (Clm 14274) erwähnt, eine Sammlung mehrstimmiger Kompositionen von Dufay, Dunstable u. a. des in St. Emmeram tätigen Schulmeisters Hermann Pötzlinger. Im Abschnitt über den „Instrumentenbau in Regensburg“ erfährt außerdem, dass in dieser Abtei im Jahr 1166 die Existenz einer Orgel belegt ist und für das 15. Jahrhundert das Vorhandensein eines solchen Instruments in sämtlichen Regensburger Klöstern angenommen werden kann (S. 156). Klösterliche Barockinstrumente sind den Orgelbauern Egedacher und Brandenstein zu verdanken (ebd.). 

Die Säkularisation brachte mit der Auflösung der Konvente auch das Ende der Klostermusik. Deswegen muss man sich über den Titel eines Beitrags mit monastischem Schwerpunkt wundern: „Die Auswirkungen der Säkularisation auf die klösterliche Musikkultur“ (S. 89ff.). Der Artikel handelt dann aber von der klösterlichen Musikkultur vor dem Ende des Alten Reichs und von den musikgeschichtlichen Folgen, die daraus erwuchsen, dass musikalisch oft hoch gebildete Konventualen nach den Aufhebungen als Weltgeistliche weiterwirkten.

Von dem Passauer Kirchenmusiker Markus Eberhardt stammt im Katalog zur Landesausstellung der Beitrag über die „Musikgeschichte des Hochstifts Passau“. Sicher nicht zufällig erschien zeitgleich Eberhardts „Kleine Musikgeschichte Bayerns“ als handliches Taschenbuch von 180 Seiten. 

Erwähnung finden auch hier zumindest einige Regensburger Klöster, zunächst das mittelalterliche St. Emmeram. In der 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts wurde hier von einem Mönch Engyledo die älteste heute bekannte Handschrift aus Bayern mit Neumen-Notation erstellt (s. S. 11; die frühe Datierung wurde allerdings jüngst von Tino Licht bestritten). Aus dem Spätmittelalter sind zahlreiche Choralhandschriften überliefert. Als „eine der bedeutendsten Quellen früher mehrstimmiger Musik in Mitteleuropa“ (S. 12) wird der oben erwähnte St. Emmeramer Mensuralcodex eigens berücksichtigt. Außerdem findet sich der Hinweis, dass sich die Impulse des Konzils von Konstanz und der Melker Reform auf die Neuanschaffung liturgischer Bücher im Regensburger Dominikanerinnenkloster Heilig Kreuz auswirkte (S. 13). Unter den neuzeitlichen Klosterkomponisten ist Fr. Marianus Königsberger (1708–69) aus Prüfening besonders hervorgehoben (S. 66) einschließlich seiner posthumen Würdigung in Lipowskys „Musik-Lexikon“, die Abt Rupert Kornmann schrieb.

Lit.:

Musik in Bayern. Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2026. 25. April bis 8. November 2026 im TonYversum in Freyung (Hgg. Peter Wolf u. a.) (Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 75), Augsburg 2026.

Eberhardt, Markus: Kleine Musikgeschichte Bayerns. Von der Römerzeit bis zur Gegenwart, Regensburg 2026.

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