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Orangerien im Waldsassener Klostergarten

Klosterorangerien in der Oberpfalz

Der Arbeitskreis Orangerien in Deutschland e. V.", urpsünglich eine DDR-Gründung als Zusammenschluss der dortigen Schlossgärten, hat in den letzten Jahren eine ausgesprochen rege Aktivität entfaltet. Doch auch im Horizont seiner Forschungen dauerte es, bis die frühneuzeitlichen Klosterorangerien breiteres Interesse fanden.

Dieses Phänomen war auch in der Oberen Pfalz zu finden. Bei den Speinsharter Prämonstratensern kam es über die Planung nicht hinaus. In der Benediktinerabtei Michelfeld gab es aber ein schlichtes Schwanenhals-Glashaus. Deutlich größer dimensioniert war die Anlage in Waldsassen: eine in der Mitte geteilte Doppelorangerie von insgesamt mehr als 60 Metern Breite. Mittlerweile ist deutlich geworden, dass das Waldsassener „Gartenschulhaus“ Reste des westlichen Orangerietrakts in sich birgt. Der östliche Teil wurde abgerissen.

Fragen zur Waldsassener Orangeriegeschichte

Bisher galt Abt Wigand Deltsch (reg. 1756–92) als Initiator und Bauherr der Waldsassener Orangerie. Das „Viridarium“ auf einem wohl 1737 entstandenen Idealplan, bestehend aus einem Glashaus mit je einem Anbau links und rechts, wurde wie das in Speinshart als unerfülltes Ideal angesehen. Doch mittlerweile haben neue Analysen zu dem Ergebnis geführt, dass die erste Orangerie bereits unter Abt Eugen Schmid (reg. 1724–44) gebaut worden sein muss, der etwa 1730 südlich der Wondreb den Hofgarten in barocker Manier anlegen ließ. Eines der Argumente für die tatsächliche Existenz des Glashauses ist die Gesamtkomposition des Gartens. Wie allgemein üblich, bestimmt eine Hauptachse dessen symmetrische Geometrie. Die Topographie führte allerdings zu einer Schwäche im Konzept: Die verfügbare Fläche jenseits des Flusses ließ sich nicht axial auf das Klostergebäude beziehen. Daher wäre die Gartenachse ohne das Orangeriegebäude völlig ohne Bezug gewesen. So aber entsprang sie dem Glashaus, vor dem sich der gesamte Garten ausbreitete.

Unter Abt Wigand wurde diese konzeptionelle Schwäche teilweise entschärft. Der alte Orangeriebau wurde durch zwei neue Gebäude ersetzt. Fungierte die „Eugenschen Orangerie“ sozusagen als Wurzel der Gartenachse, wurde dieses Arrangement nun aufgesprengt. Die Gartenachse verlief zwischen den Schmalseiten der beiden Trakte hindurch. Genau auf ihrer Verlängerung wurde von dem Klosterbaumeister Fr. Philipp Muttone eine neue Brücke über die Wondreb gebaut. Das Erleben des Gartens ist freilich in umgekehrter Richtung zu denken: Vom Kloster her kommend, überquerte man auf der „Muttone-Brücke“, dabei bereits die Gartenachse entlangschreitend, den Fluss, ging auf die Orangeriegebäude zu und zwischen ihnen hindurch und erlebte dabei, wie sich der Garten dem Auge immer weiter auftat. So wurde die Unverbundenheit von Abteigebäude und Klostergarten durch eine peripatetische und performative Anbindung kompensiert.

Was die Datierung betrifft, ergibt Quellenanalyse ergeben: Die „Eugensche Orangerie“ muss etwa zwischen 1730 und 1737 entstanden sein, wobei einiges dafür spricht, dass sie zur 600-Jahr-Feier des Klosters im Jahr 1733 vorzeigbar und daher vollendet sein sollte. Für den Neubau der „Wigandschen Orangerie“ ergeben sich als mögliche Zeitspanne die Jahre zwischen 1766 und 1775.

Umgestaltungen im Waldsassener Klostergarten als Chance für die Orangerieforschung

Im Waldsassener Klostergarten soll es demnächst zu gravierenden Umgestaltungen und Neubauten kommen – wieder an der Stelle der ehemaligen Orangerie. Dies eröffnet nicht nur die Chance, sondern geradezu die Pflicht einer archäologischen Untersuchung und zur Klärung offener Fragen – von einer möglichst genauen Datierung bis zu Fragen der Nutzung und Heiztechnik. Unter den östlichen Teilen des Gartenschulhauses, im Boden unter der östlich anschließenden Durchfahrt und an der Stelle, wo nun eine neue Orangerie errichtet werden soll, müssten sich im Boden Hinweise auf die „Eugensche Orangerie“ finden lassen. Im Idealfall wäre deren gesamter Grundriss zu rekonstruieren.


LITERATUR:

Finkbeiner, Jörg: Die Klostergärten der Abtei Waldsassen, in: Pfister, Peter (Hg.): Die Zisterzienserinnen in Waldsassen. „Die auf den Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft", Regensburg 2020, 273291, hier: 281f.

Schrott, Georg: Caffeebaum und Pomerantzen. Orangeriekultur in Oberpfälzer Klöstern (Hg. Provinzialbibliothek Amberg) Regensburg 2009.

Ders.: Orangerien in frühneuzeitlichen Klöstern. Eine kulturgeschichtliche Entdeckungsreise durch Gärten und Archive, in: Birnbacher, Korbinian/Haering, Stephan (Hgg.): Germania Monastica. Festschrift für Ulrich Faust OSB zum 80. Geburtstag (Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 126) Sankt Ottilien 2015, 291–338.

Ders.: Neue Erkenntnisse zur Orangeriekultur des Klosters Waldsassen, in: Orangeriekultur 18 (2021) (beim Verlag).

Widmer, Petra: Zur Geschichte der Gärten des Klosters Waldsassen. Von den ältesten Quellen bis zum Jahr 1803, in: Res naturae. Die Oberpfälzer Klöster und die Gaben der Schöpfung. Beiträge des 2. Symposions des Kultur- und Begegnungszentrums Abtei Waldsassen vom 17. bis 19. Juni 2005 (Hgg. Manfred Knedlik/Georg Schrott) (Veröffentlichungen des Kultur- und Begegnungszentrums Abtei Waldsassen 2) Kallmünz 2006, 123–142.

 

Abbildung: Ferdinand Sperber, Waldsassen.