
Die Historische Sektion der Benediktinischen Akademie Salzburg (bis 2023 „Bayerische Benediktiner-Akademie“) fungiert seit vielen Jahrzehnten als institutionelle Basis für die Herausgabe der „Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens“ und der Reihe „Germania Benedictina“. Mit dem „Handbuch der benediktinischen Ordensgeschichte“ ist nun ein weiteres ambitioniertes Projekt im Entstehen begriffen. Der erste Band erschien 2022. Soeben wurde Band 2 veröffentlicht. Er setzt mit seinen Darstellungen im 14. Jahrhundert ein, jenem Zeitraum, in dem durch die Landesteilung Bayerns der Nordgau zur Oberen Pfalz wurde, und erstreckt sich bis zu den Säkularisationen im frühen 19. Jahrhundert.
Ein Blick ins Register lässt erkennen, in welchen Zusammenhängen besonders die Oberpfalz mit ihren Benediktinerabteien und Konventualen behandelt ist. Angesichts eines Ordens, der bis zur Reformation ein gesamteuropäisches Phänomen darstellte und sich in der Kolonialzeit auch nach Brasilien ausbreitete, darf man sich keine allzu hohe Trefferquote erwarten.
In der reformatorischen Verlustbilanz werden nur Ensdorf und Michelfeld kurz gestreift. Die Restitution dieser Klöster sowie die von Reichenbach und Weißenohe im Zuge der Gegenreformation ist ebenfalls erwähnt. Im Abschnitt über die Bayerische Benediktinerkongregation wird auf sie zwangsläufig mehrfach verwiesen. Das erst nach seiner Aufhebung in die neue Oberpfalz integrierte Frauenzell taucht kurz im Zusammenhang mit der Kastler Reform und der Bildung der Bayerischen Kongregation auf. Auf Sankt Emmeram und Sankt Jakob in Regensburg sowie das nebenan gelegene Prüfening wird etwas häufiger eingegangen.
Die prominenteste Rolle unter den Oberpfälzer Klöstern nimmt im gesamten Band das Kloster Kastl ein, das mit einem eigenen Beitrag gewürdigt ist (Marcel Albert: Gelehrtes Mönchtum: Kastl, S. 100–106): Die Reformbewegung, die hier gegen 1400 ihren Anfang nahm, strahlte auf eine Reihe von Abteien vor allem im heutigen Bayern aus, so auf alle Ordenshäuser in der Oberen Pfalz (Ensdorf, Michelfeld, Reichenbach, Weißenohe) und auf Frauenzell, Prüll, Prüfening und St. Emmeram in und um Regensburg. Prägend waren beispielsweise eine Verschlankung des Chorgebets, die Förderung des Universitätsstudiums und die Einbindung von Laienbrüdern mit Profess in das Klosterleben. Ihre geographischen Grenzen fand die Kastler Reformbewegung durch diejenigen, die sich aus Melk und Bursfelde ausbreiteten.
Unter den Mönchen aus der Oberen Pfalz sind Johannes von Kastl und Anselm (im Register irrtümlich: Anton) Desing mehrfach berücksichtigt. Namentlich tauchen vor allem Angehörige der Regensburger Klöster zwischen den zahlreichen anderen benediktinischen Akteuren auf: Ignaz Trauner, Kaspar Erhard, Johann Baptist Kraus, Gregor Rothfischer, Cölestin Steiglehner, Roman Zirngibl und Placidus Heinrich von Sankt Emmeram, Andreas Gordon und Ildephons Kennedy von der Schottenabtei Sankt Jakob oder Maurus von Schenkl und Rupert Kornmann von Prüfening.
Seit der Säkularisation in Kurbayern 1803 und in Regensburg 1810 gibt es in der Oberpfalz – abgesehen vom Verbleib einer kleinen Gruppe von Schottenmönchen in Regensburger bis 1862 – keine Benediktiner mehr. Dem anstehenden 3. Band des Handbuchs darf man trotzdem auch aus regionaler Perspektive mit großem Interesse entgegensehen: Es wird dann ein vollständiges Standardwerk vorliegen, das Maßstäbe für die Geschichtsschreibung anderer Orden setzt.
Lit.: